Irischer Terrier
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Erziehung

Ich spreche hier von gut sozialisierten und von Züchterhand geprägten Welpen

Irische Terrier sind besonders.
Sie vereinen absolute Hingabe und Freigeist in einem. Sie lieben Ordnungsmuster, in die sie sich ohne Murren gerne hineinbegeben und hassen Härte. Sie sind friedlich, lassen sich aber nichts gefallen. Sie besitzen einen unglaublich sicheren Instinkt und sind dabei begleitet - je nach Förderung durch den Menschen-von Klugheit und/oder Bauernschläue.Ein Irish fängt kaum einen Streit selbst an. Lässt sich aber nichts bieten.

Sie gehen Sie am besten mit so einem Hund um?

Ich gehe hier Schritweise vor, wie ich es Ihnen Sie als Hundehalter bei Erhalt eines Welpen empfehle.

1. Informieren Sie sich  v o r  dem Kauf eines Welpen über Rasse, Eigenschaften, Erziehung u. ä. Wo kommt der Irish her, was waren seine Aufgaben im "Land seiner Entstehung"? Ihr Züchter gibt gerne Auskunft.

2. Suchen Sie sich eine gute Hundeschule und besuchen Sie mit Ihrem Welpen nach einer kurzen Eingewöhnungsphase dringend die Welpenschule.
Warum?
Nicht nur jeder Hund besitzt seine Chraraktereigenschaften, sondern jede Rasse hat ihre eigenen Verhaltensmuster. Viele die Muster sind durch lange Zucht verändert, verschwunden oder teilweise nicht mehr sichtbar. Z.B.  schwarze Lippen in tiefschwarzem Fell vielleicht noch von lanngem Haar verborgen, stellen ein wichtiges Kommunikationsinstrument dar und sind z. B. beim schwarzen Pudel für den anderen Hund nicht mehr erkennbar. Gesträubtes  Fell (Ridgeback), eine steil aufgerichtete Rute (Terrier), von langem Haar verborgene Augen (Bouvier) u.v.m
Diese Dinge muß ein junger Hund lernen, um sich seinen Artgenossen adäquat nähern zu können.
Umgekehrt ist es so, daß ein Irish durch sein nach vorne gebürstetes Gesichtsfell, die hohe Haltung und den aufgerichtet getragenen Sterz für einen anderen Hund rein von der Optik her schon recht provokativ wirken kann.
Durch gegenseitiges Kennenlernen vieler verschiedener Hunde lernt Ihr kleiner Irish das genaue Hinsehen und Beobachten, weil er durch die Vielfalt nicht nur genau diese Rassen kennen lernen konnte, sondern er ist auch in der Lage, zu generalisieren. Das heisst, er wird neuen und ganz anders aussehenden Hunden freundlich und aufmerksam gegenüber treten, weil er unterschiedliche Ordnungsmuster kennt.

3. Gönnen Sie Ihrem Welpen ein paar Tage Eingewöhnung. Nachbarn und Freunde sollen sich ein paar Tage gedulden, bis sich Ihr neues Familienmitglied bei Ihnen zu Hause fühlt.
Das gleiche gilt für Spaziergänge: Sie warten schon sehnsüchtig auf den Gefährten für lange Spaziergänge. Lassen Sie Ihren Welpen ein paar Tage zu Hause und führen ihn nur zum Lösen auf einen bestimmten Platz.
Fangen Sie mit kleinen, 20-minütigen Runden an.

SIE sollen das Interessante im Hundeleben sein und nicht die Pieselspur des Nachbarhundes.

4. Beschützen Sie Ihren Welpen vor laufendem Zugriff und evtl. Grobheiten auch vor anderen Welpen. Ich übernehme sehr viele Verhaltensmuster von meiner Zuchthündin Lilli. Und die steht auch heute noch zu ihrem einjährigen Sohn, wenn es ihr nötig erscheint.
Ihr Welpe soll wissen, daß er sich auf Sie verlassen kann. Wenn er es nicht kann und dies in einer frühen Lebensphase, vielleicht sogar in einer Prägephase mit Ihnen erlebt, wird er seine Probleme in Zukunft selbst regeln - nicht unbedingt in Ihrem Interesse.
Sie sollten dem Hund in einigen Punkten das sein, was er für Sie ist und das heisst in diesem Zusammenhang: ein verlässlicher Kumpel.

5. praktische Erziehungstipps
Fassen Sie Ihren Welpen bei Übungen nicht an. Belohnen Sie ihn mit Futter oder Spielen - nicht mit Streicheln (das findet er zu 99,9 % lästig!!!)
Belohnen Sie Ihren Welpen in den ersten Wochen für jede Kleinigkeit.
Füttern Sie häufig aus der Hand.
Seien Sie spannend.
Bestehen Sie auf Ausführung Ihrer Anordnung aber beachten Sie, daß Ihre Anordnung klar ist.
Die Anordnung besteht aus  EINEM  Wort, nicht aus einem Schwall. Stellen Sie sich vor, sie hätten mit Mühe und Not ein chinesisches Wort gelernt. Was fällt Ihnen leichter: wenn jemand dieses Wort für Sie ausspricht, oder wenn Sie es aus einem mehrminütigen Text heraushören müssten.

Üben Sie zuerst in reizarmer Umgebung = zu Hause, dann erst draussen in ruhiger Umgebung, dann mit Ablenkung.

 6. Verschaffen Sie sich Wissen und eignen Sie es sich an, besondere Themen sind z.B:

6.1. Ordnungsmuster.
Ihr Hund muß zu jeder Zeit wissen, woran er mit Ihnen ist.
Seien Sie klar, was Sie möchten und was Sie nicht möchten. Und bleiben Sie dabei.
Sollte der Hund mal aufs Sofa dürfen und mal nicht, heisst diese Klarheit: Er darf nach speziell eingeholter Erlaubnis aufs Sofa - oder eben nicht.
Ihr Hund wird Ihnen einen Rüffel bei Kompetenzüberschreitung  niemals übel nehmen, wohl aber ungerechte Behandlung.

6.2. Klarheit in Ihren Anordnungen.
Wenn Sie den Namen des Hundes sagen, soll er Sie ansehen.
Komm ist Komm.
Nicht einmal den Namen rufen und davon ausgehen, daß der Hund kommt.Name  PLUS Komm = kommen.
Und: Nicht "Komm" rufen und es durchgehen lassen, daß der Hund einen halben Meter vor Ihnen abdreht und dann doch lieber noch herumschnüffelt.
Zeigen Sie Freude im Ansatz seines guten Verhaltens und grummeln Sie, wenn Ihnen etwas nicht gefällt.
Belohnen Sie nicht, wenn der Hund nach dem fünften Zuruf kommt. Das ist o.k., besser als gar nicht kommen, aber fern von dem was Sie wollen und ein Leckerli oder ein tolles Spiel gibt es auf ein mangelhaftes Verhalten nicht.

6.3. Aggressionsverhalten
Hund sind oft nicht zimperlich im Umgang miteinander. Wohl aber sehr klar und deutlich. Sie zeigen unmissverständlich ihre Befindlichkeit. Und da sie nicht über gedrechseltes Wortspiel verfügen, nach dem Motto: "oh entschuldigen Sie bitte, könnten Sie mir bitte den Ball wieder geben, weil es meiner ist...? Kann eine Situation, die diesen Wortlaut in etwa enthalten könnte mit einem ziemlich ärgerlichen Anraunzen und körperlichem Kontakt ausfallen.
Der körperliche Kontakt sieht für uns wie der Anfang eines Raufgelages aus, besteht aber aus Drohgebärden,Anrempeln und gezieltem Danebenbeissen.2. Aggressionsverhalten
Merke: Beim gut sozialisierten Hund bestehten 95 % aller Auseinandersetzungen aus Drohgebärden in den unterschiedlicher Ausprägung und Stärke.
Was Sie als Hundehalter bis zu einer Auseinandersetzung mit Körperkontakt übersehen haben, sind die vielen Zeichen, die dem körperlichen Kontakt vorangehen:
Anstarren
gerade aufeinander zulaufen (ohne freundlichen Bogen)
Zähneblecken u. a.
Erst dann geht es über in
Distanzunterschreiten, jetzt gelegentlicher Körperkontakt mit gelgentlichem Hemmbeissen oder gezieltem Danebenbeissen.
Die Lautuntermalung einer solchen Szene hört sich schon recht gefährlich an!

In der nächsten Stufe geht es um ein Ringen, evtl. Versuch, dem anderen über die Schnauze zu beissen, um den anderen in eine Unterwerfungsgeste zu zwingen. Drücken, Schieben, Queraufspringen u.a.

Das Ganze steigert sich und wird in der dritten Stufe immer grober. Und irgendwann springt die Beisshemmung und dann geht es in Beissen und Schütteln über.

Normalerweise ist weit davor Schluß. In der Evolution macht es keinen Sinn, wenn sich Tiere so schwächen, daß auch der Sieger ein paar Meter weiter dann vom nächsten Rempler totgebissen wird.
Deshalb haben Tiere, die über gefährliches Werkzeug verfügen, sehr fein abgestimmte Beschwichtigungsrituale. (Anders als Tauben, die sich zu Tode foltern, wenn es so weit kommt...)

Für Sie heisst der Beginn einer Auseinandersetzung, daß Sie sich einschalten.
Was wollen Sie? Doch wohl keine Auseinandersetzung!
Lernen Sie Ihren Hund so gut kennen und lassen Sie es nicht so weit kommen.
Wie? Am besten mit Ablenkung und Fokussierung auf Sie.
Für die Umsetzung helfen Ihnen  Hundeschulen.

Mein Tipp: Hören Sie nie auf, sich mit Ihrem Hund immer wieder unter Anleitung zu beschäftigen. Das mache sogar ich nach einem Studium der Tierpsychologie und nach 30 Jahren Hundehaltung noch.
Auch ich lerne immer noch dazu!
Und noch was: Bitte nicht in ein Hundegetümmel hineinfassen, so Ihnen denn Ihre Unversehrtheit lieb ist.

6.4.. Jagdverhalten
Oh weh, lassen Sie es nicht so weit kommen, daß Ihr Hund irgend ein anderes Tier hetzt. Dieser Spaß setzt Endorphine frei und verschafft Ihrem Hund ein solches Glücksgefühl, daß er Ihren Ärger gerne in Kauf nimmt. Wehret den Anfängen!
Ganz bitter wird es bei einem Jagderfolg. Dann ist Antijagdtraining mit erfahrenen Trainern angesagt. Denn für ein Leben an der Leine ist ein Hund nicht geschaffen.

 

HUNDEERZIEHUNG HEISST:  EIN LEBEN LANG GEMEINSAM LERNEN.

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